🔬 Temperature-Humidity Index erklärt

Was ist der THI?

Der Temperature-Humidity Index (THI) kombiniert Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit zu einem einzigen Wert, der das Wohlbefinden und den Hitzestress von Milchkühen zuverlässig beschreibt. Ab einem THI von 68 beginnen hochleistende Milchkühe unter Hitzestress zu leiden – mit messbaren Auswirkungen auf Milchproduktion, Fruchtbarkeit und Immunsystem.

THI-Formel

THI = (1,8 × T + 32) − [(0,55 − 0,0055 × RH) × (1,8 × T − 26)]

Wobei T = Temperatur in °C und RH = relative Luftfeuchtigkeit in %.

Beispielwerte:

Kühl + feucht

20°C · 80%

66.9

THI

Warm + mittel

28°C · 60%

77

THI

Heiß + feucht

35°C · 70%

88.9

THI

Geschichte des THI

Der THI wurde ursprünglich in den 1950er-Jahren zur Bewertung des menschlichen Komforts entwickelt und in den 1970er-Jahren von Bianca (1962) und später von Berman et al. für die Nutztierhaltung adaptiert. Heute ist er der international anerkannte Standard in der Milchviehhaltung weltweit.

Die Wissenschaft hinter THI

Peer-reviewed Forschung als Grundlage unserer Empfehlungen

Milchleistungsverluste

Studien zeigen, dass Milchkühe ab einem THI von 68 messbar weniger Milch produzieren. Bei einem THI von 78 können Verluste von 4–8 kg Milch pro Kuh und Tag auftreten – bei Hochleistungskühen noch deutlich mehr.

📄 West, J.W. (2003). Journal of Dairy Science, 86(6), 2131–2144.

Reproduktionsleistung

Hitzestress beeinträchtigt die Follikelentwicklung, Oozytenqualität und Embryonenentwicklung erheblich. Trächtigkeitsraten können um bis zu 20–30 % sinken, wenn THI-Werte über 72 ansteigen.

📄 Hansen, P.J. (2009). Animal Reproduction Science, 113(1–4), 51–60.

Futteraufnahme & Stoffwechsel

Bei hohen THI-Werten reduzieren Kühe ihre Trockenmasseaufnahme um bis zu 10–12 %. Dies führt zu negativer Energiebilanz, erhöhtem Risiko für Ketose und verstärktem Körpermasseverlust post partum.

📄 Bernabucci, U. et al. (2010). Journal of Dairy Science, 93(9), 4234–4244.

Immunfunktion

Hitzestress unterdrückt die Immunantwort bei Milchkühen und erhöht die Anfälligkeit für Euterentzündungen (Mastitis), Klauenerkrankungen und andere Infektionskrankheiten – besonders im peripartalen Zeitraum.

📄 Lacetera, N. et al. (2006). Journal of Dairy Science, 89(5), 1784–1791.