Die THI-Skala auf einen Blick
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🔬 Temperature-Humidity Index erklärt
Was ist der THI?
Der Temperature-Humidity Index (THI) kombiniert Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit zu einem einzigen Wert, der das Wohlbefinden und den Hitzestress von Milchkühen zuverlässig beschreibt. Ab einem THI von 68 beginnen hochleistende Milchkühe unter Hitzestress zu leiden – mit messbaren Auswirkungen auf Milchproduktion, Fruchtbarkeit und Immunsystem.
Mehr erfahren →THI-Formel
THI = (1,8 × T + 32) − [(0,55 − 0,0055 × RH) × (1,8 × T − 26)] Wobei T = Temperatur in °C und RH = relative Luftfeuchtigkeit in %.
📚 Die Wissenschaft hinter THI
Peer-reviewed Forschung als Grundlage unserer Empfehlungen
Milchleistungsverluste
Studien zeigen, dass Milchkühe ab einem THI von 68 messbar weniger Milch produzieren. Bei einem THI von 78 können Verluste von 4–8 kg Milch pro Kuh und Tag auftreten – bei Hochleistungskühen noch deutlich mehr.
📄 West, J.W. (2003). Journal of Dairy Science, 86(6), 2131–2144.
Reproduktionsleistung
Hitzestress beeinträchtigt die Follikelentwicklung, Oozytenqualität und Embryonenentwicklung erheblich. Trächtigkeitsraten können um bis zu 20–30 % sinken, wenn THI-Werte über 72 ansteigen.
📄 Hansen, P.J. (2009). Animal Reproduction Science, 113(1–4), 51–60.
Futteraufnahme & Stoffwechsel
Bei hohen THI-Werten reduzieren Kühe ihre Trockenmasseaufnahme um bis zu 10–12 %. Dies führt zu negativer Energiebilanz, erhöhtem Risiko für Ketose und verstärktem Körpermasseverlust post partum.
📄 Bernabucci, U. et al. (2010). Journal of Dairy Science, 93(9), 4234–4244.
Immunfunktion
Hitzestress unterdrückt die Immunantwort bei Milchkühen und erhöht die Anfälligkeit für Euterentzündungen (Mastitis), Klauenerkrankungen und andere Infektionskrankheiten – besonders im peripartalen Zeitraum.
📄 Lacetera, N. et al. (2006). Journal of Dairy Science, 89(5), 1784–1791.
💡 Praktische Maßnahmen gegen Hitzestress
Bewährte Strategien zur Kühlung, Wasserversorgung und Fütterung
❄️Kühlung & Stallbau
- ›Ventilatoren im Liegebereich und Wartebereich installieren – mindestens alle 3 Meter entlang des Futtergangs.
- ›Hochdruckvernebelung (Evaporativkühlung) in Kombination mit Ventilatoren kann die Lufttemperatur um 4–8 °C senken.
- ›Natürliche Belüftung durch offene Firstöffnungen und seitliche Öffnungen maximieren; helle Dachbeschichtungen reduzieren Wärmeeinstrahlung um bis zu 30 %.
💧Wasserversorgung
- ›Bei Hitzestress steigt der Wasserbedarf von Milchkühen auf bis zu 150–200 Liter pro Tier und Tag – ausreichende Tränkekapazität ist entscheidend.
- ›Mindestens eine Tränke pro 15–20 Tiere bereitstellen; Tränkebecken täglich reinigen, da Kühe verunreinigtes Wasser meiden.
- ›Wasserstellen möglichst nahe am Melkstand und in Aufenthaltsbereichen positionieren, um Laufwege bei Hitze zu minimieren.
🌾Fütterungsmanagement
- ›Futtervorlage auf die kühleren Tages- und Nachtzeiten verlagern (früh morgens und abends), da Kühe bei Hitze nachts mehr fressen.
- ›Energiedichte der Ration erhöhen durch mehr geschützte Fette (bypass fat); so kompensieren Sie die reduzierte Futteraufnahme.
- ›Puffersysteme wie Natriumbicarbonat (150–200 g/Tier/Tag) einsetzen, um pH-Schwankungen im Pansen durch veränderte Fresszeit auszugleichen.
